Ein Zeichen setzen gegen den Fackelmarsch der NPD in Wolgast am Jahrestag der Reichspogromnacht

Ein Brief des Bündnis‘ „Rassisten stopppen – Solidarität mit Flüchtlingen“ an Schulen in Wolgast, mit der Aufforderung sich auch im schulischen Kontext mit dem Thema der Reichspogromnacht und gegebenem aktuellen Bezug auseinanderzusetzen.
Sehr geehrte Damen und Herren,

für den 9. November 2012 hat die NPD einen Fackelmarsch durch die Wolgaster Innenstadt bis zum Flüchtlingswohnheim angemeldet. Mit ihrem ausländerfeindlichen Motto „Asylmissbrauch stoppen“ beziehen sie klare Stellung gegen die Flüchtlingsaufnahme in Deutschland und geben ihrer rassistischen Meinung eine Plattform.

Zwei offensichtliche Zeichen von rassistischem Gedankengut
Die Demonstration der NPD kann vor allem aus zwei Gründen kritisch betrachtet werden:
Rechte Sticker, Plakate und Schmierereien prägen seit Monaten das Stadtbild, zudem kam es zu verbalen Bedrohungen gegenüber Bewohner_innen und einem Feuerwerkskörperanschlag auf das Gebäude. Auch rassistische Vorurteile und Unsicherheit beziehungsweise Unwissenheit spiegeln sich im Verhalten der Wolgaster Bevölkerung wider und beeinflussen die Asylsuchenden im Heim in ihrem Handeln und ihrem Wohlbefinden. So führen die eben genannten Gründe auch zu einer Ablehnung des Heimes und den darin lebenden Menschen in Wolgast.
Hinzu kommt, dass der 9. November von der NPD für ihre Veranstaltung nicht zufällig ausgewählt wurde. Vor 74 Jahren wurden in dieser Nacht auf jüdische Wohnungen, Geschäfte und Synagogen Brandanschläge verübt. 400 Menschen wurden Opfer der rassistischen Übergriffe. Somit stellt die Reichspogromnacht den Übergang von Diskriminierung und Ausgrenzung zur systematischen Verfolgung im Nationalsozialismus dar. Eben dieses geschichtsträchtige Datum hat sich die NPD ausgesucht, um Diskriminierung und Rassismus zu verbreiten.

Thematisierung des 9. Novembers
Um dem geplanten Fackelmarsch der NPD organisierten Protest entgegen stellen zu können gründete sich vor wenigen Tagen das Bündnis „Rassisten stoppen– Solidarität mit Flüchtlingen“.
Wir wünschen uns, dass die Bedeutung des 9.11. thematisiert wird und es zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Geschehnissen von 1938 kommt.
Der anstehende Jahrestag und die Demonstration der NPD gegen Flüchtlinge in Wolgast gerade an diesem Datum fordert eine Aufklärung der Schüler_innen bezüglich des Themas. Uns ist es wichtig, dass die Reichspogromnacht in Bezug zum Fackelmarsch und im Kontext der menschenverachtenden Politik der NPD dargestellt wird.
So bitten wir Sie den 9. November 1938 mit ihren Schüler_innen gerade im Zusammenhang mit diesem aktuellen Bezug zu thematisieren.

Lassen Sie die rassistischen Geschehnisse – damals wie heute – nicht in Vergessenheit geraten!
Es liegt auch in Ihrer Hand die jungen Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Julia Gärtner
Bündnis „Rassisten stoppen- Solidarität mit Flüchtlingen“

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